Geschichte, Architektur

Geschichte des Stiftungssitzes: die Villa La Prairie

Der Sitz der Stiftung Thiébaud-Frey, die Villa La Prairie in Bellmund, wurde in den Jahren 1954/55 vom Thuner Architekten Willi Barben erbaut. Der Bauherr, Henri Thiébaud, war damals Direktor der Uhrenfirma Gruen Watch in Biel. Er benötigte ein Refugium für seine Familie und einen repräsentativen Treffpunkt mit seinen aus den USA anreisenden Geschäftspartnern. Ein gütiges Schicksal erlaubte ihm in der Folge, 45 Jahre an diesem schönen Ort zu verweilen, das glückliche letzte Jahrzehnt zusammen mit seiner zweiten Frau, Margrith Thiébaud-Frey, mit welcher er - den Erhalt der Villa im Auge - 1995 noch die Stiftung gleichen Namens gründete.

Der Architekt, Willi Barben, wurde 1924 geboren und studierte 1945 - 48 am Technikum Biel. Er lernte Henri Thiébaud 1949 kennen, als dieser ein Châlet am Thunersee plante. 1952 errichtete er im Rahmen eines zweiten Auftrags einen Erweiterungsbau von Gruen Watch, heute Teil des alten Fabrikkomplexes von Rolex. Mit diesen Arbeiten erwarb der junge Willi Barben das Vertrauen des damals bekannten und einflussreichen Industriellen, und er erfüllte dann auch mit der Gestaltung der Liegenschaft in Bellmund alle Wünsche. Willi Barben lebt nach erfolgreicher Berufstätigkeit, welche durch politische Aktivitäten und das Präsidium des Grossen Rates des Kantons Berns abgerundet wurde, noch immer in Thun.

Henri Thiébaud war zur Zeit des Hausbaus in Bellmund ein viel beschäftigter Mann und oft auf Reisen. Er delegierte Grundstücksuche und -kauf seinem Architekten; Willi Barben wurde rasch fündig, und er setzte sich auch mit seinem Landhauskonzept durch (der Bauherr hatte ursprünglich ein schlossähnliches, durch eine lange Allee erreichbares Bauwerk gewünscht). Die Innenausstattung der Villa wurde in Paris ausgesucht, die Fenster in Belgien, die Küche in den USA besorgt; nur das Beste war dem Spitzenleistungen gewohnten Unternehmer gut genug. Neben dem Hausbau führte Willi Barben auch die Verhandlungen mit den neuen Nachbarn, von welchen Henri Thiébaud - um die einzigartige Lage der Villa langfristig zu sichern - weitere Grundstücke und - wo dies nicht möglich war - gegen gutes Geld wenigstens Bauverbote zugunsten seiner Hauptliegenschaft erwarb.

Die Aktivitäten auf der Höhe von Bellmund stiessen in der Region auf grosses Interesse. Der exponierte Bau - es gab anfangs der 50er Jahre weit herum nur Wiesen - wurde in der Arbeiterstadt Biel zu einem Sinnbild des Kapitalismus. Besondere Aufmerksamkeit widmete die Presse dem grossen Schwimmbad, welches - horribile dictu - Wasser verbrauchte und mit Mosaiksteinchen ausgelegt war. In den 70er und 80er Jahren vereinsamten die Liegenschaft und ihr alternder Besitzer. Wohnhäuser krochen den Hügel immer näher herauf und eilig gepflanzte Hecken verschafften nur notdürftigen Sichtschutz. Henri Thiébaud musste erkennen, dass sein geliebtes Haus wohl in absehbarer Zeit einer Überbauung weichen würde. Er bewahrte es schliesslich vor dieser Entwicklung durch die zusammen mit seiner zweiten Frau, Margrith Thiébaud-Frey, gegründete gemeinnützige Stiftung. Damit und mit der weiteren Umgestaltung zum Kulturzentrum wird die Liegenschaft schrittweise immer grösseren Bevölkerungskreisen zugänglich sein und mit der prächtigen Aussicht auf den Bielersee erhalten bleiben. Die im Parterre gelegenen Salons machten bereits einem stimmungsvollen kleinen Konzertsaal Platz; das grosse Schwimmbassin, welches einst die Gemüter bewegte, ist im Wiesland verschwunden. Nach einer in den nächsten Jahren vorgesehenen Gesamtrenovation wird das Erdgeschoss weiterhin dem Stiftungsbetrieb dienen, im ersten Stock dagegen eine geräumige Privatwohnung verfügbar sein.